Skulpturenweg 2021 | © © Florian Koenig

Kunst von Menschen mit und ohne Beeinträchtigung

Skulpturenweg

Network of Arts führt und kuratiert im Auftrag der Stiftung für Schwerbehinderte Luzern den Skulpturenweg

Der Skulpturenweg ist eine weitere Initiative der SSBL, die es der Stiftung ermöglicht, dreidimensionale und grössere Werke der hauseigenen Künstler auszustellen. Während die Malereien und Zeichnungen in der Galerie im Kloster oft Werke von einzelnen Künstlerinnen und Künstlern sind, sind es im Skulpturenweg mehrheitlich kollaborativ entstandene Werke einer ganzen Gruppe von Künstler/-innen. Unsere kreativen Bewohnerinnen, Bewohner und Tagesbeschäftigte erschaffen so in den Ateliers gemeinsam Kunst, arbeiten und lachen zusammen mit den Betreuer/-innen. Die Werke aus den Ateliers werden auch im Skulpturenweg mit Werken von Gastkünstler/-innen kombiniert ausgestellt, um einen grösseren Kontext zu schaffen.

Der Verkaufserlös der Werke der SSBL Künstler/-innen wird für die SSBL-Ateliers verwendet.

 

Eröffnungsausstellung: «Der Mensch und sein Bildnis»

1. Mai 2021 bis 15. April 2022

«In unserer ersten Ausstellung drehen sich (fast) alle Werke um den Menschen und wie wir ihn sehen. Während der Gastkünstler Rochus Lussi Köpfe von Müttern und Vätern, einzig aufgrund von Erzählungen von deren Kindern, formte schufen die Künstler/-innen des Atelier Tons die traumhafte Figur Frau „Kunterbunt“ aus ihrer eigenen Fantasie heraus. Diese Kombination bietet die Basis für unsere aktuelle Ausstellung. Welches ist ein konstruiertes Bild des Menschen und welches ein imaginiertes? Ich hoffe sehr, sie finden Inspiration und Freude beim Spaziergang auf dem Skulpturenweg. Ich wünsche Ihnen gute Entspannung beim Entdecken.»

Florian Paul Koenig, Kurator Galerie im Kloster, Network of Arts

 

Ansprechperson

Florian Paul Koenig
Kurator Galerie im Kloster fpk@noa.lu

 

Impressionen Skulpturenweg

Skulpturenweg 2021 | © © Florian Koenig
Skulpturenweg 2021 | © © Florian Koenig
Skulpturenweg 2021 | © © Florian Koenig
Skulpturenweg 2021 | © © Florian Koenig
Skulpturenweg 2021 | © © Florian Koenig
#1 / #2 - Hp Hunkeler

Sitzende im Kreis

Dieses Werk wurde, mit Hilfe einer Motorsäge, von dem Strunk eines Birnbaumes herausgearbeitet. Die Figuren, die in einem Kreis auf einem ausgehöhlten Sockel sitzen, nehmen alle eine gebückte Haltung ein. Die Kreisform suggeriert etwas Verbindendes, aber durch die gebückte Haltung der Figuren, scheinen sie sich auch voneinander zu isolieren. Jedoch lässt sich auch argumentieren, dass die Figuren einander Vertrauen: einem Feind dreht man selten den Rücken zu. Eine Spannung zwischen Isolation und Gemeinsamkeit entsteht.

 

Sitzende mit Innenleben

Der Mensch wird unwillentlich und andauernd von seinem Umfeld geprägt, und nimmt (unter)bewusst neue Erfahrungen, Ideen, Emotionen in sich auf. Er wird somit erst zu dem Menschen, der er ist, nach der Verinnerlichung all dieser Erfahrungen. Der kleine Mensch im Brustkorb der Skulptur, der das Innenleben darstellt, steht symbolisch für all die Probleme oder Erfahrungen, die von uns aufgenommen und ausgetragen werden. Vielleicht entdecken Sie ja beim Betrachten der Figur, dass Sie selbst auch gerade ein solches Innenleben in Sich tragen.

#3 - SSBL Werk (Specksteintierchen)

Speckstein wurde in der Antike oftmals für Gebrauchsgegenstände wie Töpfe oder Schüsseln verwendet, die auch mit Verzierungen versehen wurden. Da das Material sehr weich, und dadurch leicht zu bearbeiten ist, bietet es sich aber auch für das Anfertigen von Skulpturen an. Die schemenhaften Darstellungen von den Tieren, geben nicht sofort alles Preis, sondern lassen die Betrachter/-in selbst auch denken und die Formen der Tiere suchen. Die Schleifstrukturen auf der Oberfläche sind weniger ein Verweis auf z.B. das Fell der Tiere, sondern zeigen eher die Bearbeitungspuren auf. Die Handgriffe, und damit auch die Handschrift von dem/der Künstler/-in, wird sichtbar.

#4 / #5 - Rochus Lussi

Lussi interessierte sich für die mittelalterliche Reliqiuenstatuen verschiedener Heiligen, deren Antlitze ausschliesslich anhand von mündlichen Überlieferungen gefertigt wurden. Als Ausgangspunkt für seine Skulpturen befragte er fremde Menschen über eines ihrer Elternteile, und skizzierte von diesen ein Phantombild. Nach Monaten setzte er dann seine skizzenhafte Interpretation der mündlichen Überlieferungen in Skulpturen um. Der ausgeschnittene Quader im Sockel erlaubt einen Einblick in die Brustpartie, und somit auch das Innenleben der Figuren. Die makabre rote Färbung verweisen auf die emotional schwierigen Momente, die in den geführten Interviews hochgekommen sind.

#6 - SSBL Werk (Stele)

Eine Stehle ist eine freistehende, mit Relief oder Inschrift versehen Platte oder Säule, die oftmals auch als Grabstein verwendet wird. Bei diesem Werk ist die Stele ein Pfeiler, der mit bemalten Platten verziert wurde. Einige der Plättchen weisen Muster auf, andere sind mit einer unifarbig bemalt, und wiederum andere weisen teils runenartige oder auch gewöhnliche Schriftzeichen auf. Ein Relief ist hier auch nicht vorhanden, die Plättchen sind alle flach und lackiert. Diese Stele wirft keine Assoziationen mit einem Grabstein hervor, denn sie wirkt farbenfroh, und lädt zum Herumgehen und Entdecken der verschiedenen Seiten ein.

#7 - SSBL Werk (Schüssel)

Die unterschiedlichen Strukturen, die bei diesem Werk sichtbar sind, ziehen die Betrachter/-in in den Bann. Einige der runden Formen, die in die Oberfläche der Schüssel eingesetzt sind, erinnern teilweise an organische Formen wie z.B. Muscheln oder Schneckenhäuser. Andere sind ganz glatt, oder weisen auch klar strukturierte Muster auf. Wiederum gibt es solche, deren Strukturen beliebig angeordnet zu sein scheinen. Nicht nur die Farbe trägt zum Kontrast zwischen den Runden Kreisen und der weissen Schüssel bei, sondern auch die raue Oberfläche steht im Kontrast zu den glasierten Kreisen, die darin eingesetzt sind.

#8 - Daniel Züsli

Ein Zündhölzchen ist ein kleines Objekt, welches jedoch die Macht hat, etwas viel Grösseres auszulösen. Das Feuer entwickelt sich wie in einer Kettenreaktion immer weiter. Die Faszination mit diesem Objekt, und die Abschnittreste einer anderen Skulptur, dienten als Inspiration dafür, viele kleine solche Zündhölzchen zu produzieren. Durch das Gesicht am Zündkopf kann die Skulptur auch anders gelesen werden: als eine Figur, deren Körper zu einem einzigen Stock vereinfacht wurde. In dieser Lesart wird auch die Grenze zwischen Sockel und Skulptur verwischt.

#9 - Thomas Birve

Die 29 Werke, die innerhalb eines Jahres entstanden sind, und in der Galerie Kries im Jahr 2020 gezeigt wurden, tragen alle keinen Titel. Dies soll der Betrachter/-in ermöglichen, mit frischen Augen und ohne Vorprägungen an das Werk heranzutreten. Diese Skulptur, die auch für die Ausstellung gemacht wurde, entstand, indem Birve mit Ölfarbe und Lappen zuerst Umrisse auf das Pappelholz aufmalte, und dann die Figur durch Hacken und Brennen herausarbeitete. Die Grundform ist klar die eines Menschen, und doch erweckt die kohlenschwarze Färbung und die riesigen Augen etwas Unbekanntes. Was für Gedanken kommen hoch, wenn Sie dieser Skulptur gegenüberstehen?

#10 - Gottlieb Ulmi «Geborgenheit»

Obwohl die imposante Skulptur aus Beton besteht, vermittelt sie keinen einschüchternden Eindruck. Vielmehr scheint die Skulptur eine schützende Funktion einzunehmen. Die vier Segmente wölben sich wie zu einem Gefäss zusammen und nach oben, und nehmen dadurch eine blütenähnliche Form an. Durch das Material wird klar auch eine Stärke und Bodenständigkeit sichtbar, die umschliessende Form der Skulptur lässt Bezüge zu Pflanzen herstellen. Das starke und bodenständige Material und die schützende Form vermitteln das Gefühl von Geborgenheit.

#11 - John Grüniger «Bewegung – Licht – Raum – Transparenz – Berührung»

Auch bei diesem Werk ist der Kontrast zwischen Material und pflanzlichen Formen der Umgebung zentral. Die in die Höhe ragenden Rippen erinnern auch an umliegende Baumstämme, und doch ist die Oberflächenstruktur ein totaler Kontrast zu den umgebenden Pflanzen. Die Lichtreflexion des Materials verleiht der Skulptur eine Lebendigkeit. Denn je nach Wetter und Position der Betrachter*in verändert sich das reflektierte Licht und damit auch die Erscheinung der Oberfläche. Diese nicht kontrollierbaren Einflüsse verleihen der eigentlich rigiden Form der Skulptur etwas Spielerisches.

#12 - John Grüniger «Steingruppe»

Bei diesem Werk steht der Bezug zum Ort in klarem Fokus, denn Teile des Werkes wurden an Ort und Stelle gefertigt, um Bewohner/-innen und Betreuer/-innen einen persönlichen Bezug dazu zu geben. Es ist nicht nur ein Kunstobjekt zum Anschauen, sondern kann auch funktionell als Sitzgelegenheit genutzt werden. Je länger diese Steingruppe dort platziert sein wird, desto mehr wird sie selbst auch zu einem Teil der Umgebung. Obwohl der Menscheneingriff klar sichtbar ist, durch die scharfen Kanten und geschliffene Oberfläche, wird sich die Natur den Stein mit der Zeit auch wieder zurückholen.

#13 / #15 - Alois Hermann

Bei diesen Werken bringt Hermann die freche, wilde und eigenwilligen Seite, die jeder Mensch in sich trägt, zum Erscheinen. Oftmals können diese Seiten des Menschen im angepassten Leben nicht gezeigt werden. Ohne grosse Vorzeichnungen geht er spontan mit der Motorsäge an diese Lindenholz Baumstämme heran, und lässt bewusst diese sperrige Oberfläche und rudimentären Konturen zurück. Genau so spontan wie der Arbeitsprozess anfängt, hört auch dieser auf. Er spürt, dass diese «Lausbuben» fertig sind, sobald sie eine gewisse Lebendigkeit erreichen, und ihn anschauen zu scheinen.

#14 - SSBL Werk (Stier)

Wenn man an einen Stier denkt, sieht man diesen als kraftvolles und imposantes Tier. Die Drähte, mit denen dieser Stier jedoch kreiert wurde, ähneln jedoch stark einer Linienzeichnung auf Papier. Hier wird nicht die Stärke des Tieres, durch die Verwendung von einem mächtigen Material, wie zum Beispiel Beton oder einem Metall Block, hervorgehoben. Vielmehr ermöglicht diese lückenhafte Technik, dass dem Stier eine Verletzlichkeit und Leichtigkeit verliehen wird. Es regt zum Denken an, dass auch die Stärksten unter Uns auch eine verletzliche und fragile Seite haben.

Preisliste

 

zurück