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WissenswertesAus den WohngruppenInklusion

«Sie alle gehören zu unserem Dorf»

Neben dem Hauptsitz in Rathausen gehören zehn weitere Standorte zur SSBL. Ein Besuch im Wohnhaus Gärtnerhüsli in Schüpfheim zeigt, wie das Motto «z’mitts drin» im Alltag gelebt wird.

Antoinette Emmenegger schreitet mit zackigen Schritten voran und zieht den Einkaufstrolley hinter sich her. Andi Suter, der wie üblich mit dem Rollator unterwegs ist, nimmt es gemütlicher. Das Ziel der beiden ist jedoch dasselbe: Gemeinsam mit ihrem Betreuer René Egli steuern die Bewohnenden des SSBL-Wohnhauses Gärtnerhüsli den Dorfladen in Schüpfheim an.

Vor dem Eingang gehen die drei nochmals die Einkaufsliste durch: Orangensaft, Sirup, Tee, Mais, Joghurt und noch einige weitere Produkte sollen besorgt werden. Als das Trio den Laden betritt, wird es sofort von der Verkäuferin begrüsst: «Salü Antoinette, schön dich zu sehen!» Auch andere Kundinnen halten einen Schwatz mit Antoinette und Andi. Man kennt sich, man duzt sich, man hebt die Hand zum Gruss. 

Offener, rücksichtsvoller Umgang 

Inklusion. Das ist ein Begriff, der im Zusammenhang mit der Eingliederung von Menschen mit Behinderungen häufig fällt. Was theoretisch klingt, lässt sich bei einem Besuch in Schüpfheim ganz direkt miterleben. Hier findet die Inklusion nicht bloss auf dem Papier, sondern täglich auf der Strasse, in der Käserei, beim Bäcker oder eben im Dorfladen statt. 
«Die Menschen der SSBL gehören zu unserem Dorf», sagt Ruth Röösli, seit 20 Jahren als Verkäuferin im Denner tätig. Ähnlich tönt es bei Sibylle Dahinden und Margrit Heini-Ziswiler. Auch die beiden Teamleiterinnen des Wohnhauses Gärtnerhüsli schätzen den Austausch mit der Bevölkerung. «Der Umgang mit Menschen mit Behinderungen ist für die Leute hier ganz normal.» Die Bevölkerung pflege einen offenen, rücksichtsvollen Umgang mit den Klientinnen und Klienten der SSBL. 

Betreuer René Egli (Mitte) führt Antoinette Emmenegger und Andi Suter sicher zum Dorfladen in Schüpfheim. | © copyright by jutta vogel

Dass die SSBL und ihre Bewohnenden in Schüpfheim so präsent sind, hat verschiedene Gründe. Einer davon ist die Lage: Das Wohnhaus befindet sich nur wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt. Zudem führt ein öffentlicher Spazierweg mitten durch das SSBL-Gelände. Die Klientinnen und Klienten sind aber auch deshalb so gut integriert, weil sich die SSBL seit jeher um eine aktive Teilnahme am Dorfleben bemüht. «Ob beim Alpabzug, an der Fasnacht oder am traditionellen Kalten Markt: Unsere Bewohnerinnen und Bewohner sind immer mittendrin», so Sibylle Dahinden. Darüber hinaus lädt die SSBL die Bevölkerung regelmässig zu sich ein; so findet jedes Jahr eine Stubete im Gemeinschaftssaal des Gärtnerhüsli statt. 

Das Gärtnerhüsli ist keine Ausnahme. «Auch wenn alle Standorte etwas anders ticken, haben sie doch eines gemeinsam: Sie alle sind in der Regel sehr stark in den jeweiligen Gemeinden verankert», sagt Christiane Tutte, die als Bereichsleiterin für die Standorte Schüpfheim, Hergiswil b. Willisau, Knutwil, Reiden und Pfaffnau verantwortlich ist. 

«Mit Ausnahme von Bad Knutwil und Rathausen befinden sich alle Standorte im Dorfkern. Für uns ist es sehr wichtig, einen guten Draht zur Bevölkerung zu haben.» In Hergiswil zum Beispiel finden die Teamleiter-Sitzungen im Gemeindehaus statt, in Pfaffnau wird in der Mehrzweckhalle geturnt. «Auch zu den Kirchgemeinden pflegen wir einen guten Kontakt.» 

Kommunikatives Geschick gefragt

Neben vielen schönen Seiten bringt die Nähe zu den Gemeinden aber auch Herausforderungen mit sich. «Es kam schon vor, dass sich Leute gestört fühlten», so Tutte. In solchen Fällen sei kommunikatives Geschick gefragt.

Bei unserem Besuch im Dorfladen ist das nicht nötig. Die Stimmung ist ausgelassen und fröhlich. Als Antoinette, Andi und René ihren Einkaufs­trolley gefüllt und den Laden verlassen haben, winkt ihnen die Verkäuferin Ruth Röösli nach. «Uf Wederluege!»

 

Prominente Botschafterinnen und Botschafter

Die SSBL ist fest im Kanton Luzern verankert. Dafür stehen nicht nur die verschiedenen Standorte, die über das ganze Kantonsgebiet verteilt sind, sondern auch zahlreiche Botschafterinnen und Botschafter aus Politik, Sozial­bereich, Kultur, Sport, Bildung, Kunst, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Zu den prominenten Unterstützerinnen und Unterstützern gehören zum Beispiel Adrian Derungs (Direktor der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz), Fanni Fetzer (Direktorin des Kunstmuseums Luzern) oder die bekannte Opern­sängerin Regula Mühlemann. Als Schwester einer jungen Frau mit Down-Syndrom kennt Mühlemann die SSBL und ihre Leistungen gut. «Was mich neben den Begegnungen mit Menschen mit Be­hinderung immer am meisten beeindruckt, ist die Geduld der Betreuungspersonen. Dieser Arbeit gilt mein grösster Respekt und meine tiefe Bewunderung.» 

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26. Januar 2022 / Daniel Schriber
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