Leonardo (28) und David (34) Pacheco verbindet mehr als ihre gemeinsame Kindheit: Die SSBL ist für beide ein zentraler Lebensort. Beinahe täglich begegnen sich die Brüder auf dem Areal Rathausen und doch, führen sie unterschiedliche Leben. Leonardo lebt seit einigen Jahren im Lindenberg 2, während David seit über 16 Jahren bei der SSBL tätig ist. Heute leitet er den Betreuungspool, den Freiwilligenpool sowie den Gastplatz.
Gemeinsam aufgewachsen und gemeinsam unterwegs
Das Aufwachsen mit einem jüngeren Bruder, der aufgrund seiner Behinderung mehr Aufmerksamkeit benötigte, war für David nie eine Belastung, im Gegenteil. Für ihn und sein Umfeld war es selbstverständlich, dass Leonardo immer mit dabei war.
«Wenn ich Fussball spielen gegangen bin, war er dabei. Wenn ich an den See gegangen bin, war er dabei. Er war einfach immer dabei. Uns gab es quasi nur im Doppelpack und alle wussten das.»
Was für Aussenstehende herausfordernd wirken könnte, war für David stets Teil seines Selbstverständnisses als Bruder. «Ich sehe mich nicht als Schattenkind. Es war für mich immer ein Dürfen und nie ein Müssen. Aber ich wollte immer ein guter Bruder sein.»
Geschichten, die verbinden
Neben den prägenden Erfahrungen gibt es auch zahlreiche Momente, über die die beiden heute schmunzeln können. Kurz nach Leonardos Einzug in die SSBL wurde David im Café Rathausen darauf angesprochen, dass sein Bruder angeblich die Zeche geprellt habe; Mit der Begründung, David würde diese schon begleichen.
«Er hat dann allen erzählt, dass ich seine Schulden übernehme», sagt David und lacht, während Leonardo grinsend daneben sitzt.
Auch bei Familienneuigkeiten zeigte sich Leonardos Mitteilungsfreude: Als Davids Ehefrau ihr erstes Kind erwartete, wurde Leonardo als künftiger Onkel eingeweiht. Natürlich unter der Voraussetzung, dies für sich zu behalten. Nur wenige Tage später wurde David auf dem Areal bereits von verschiedenen Mitarbeitenden beglückwünscht.
Während David die Geschichte erzählt, sitzt Leonardo entspannt daneben, trinkt seine, natürlich von David bezahlte Cola und meint trocken: «Davon weiss ich niiiiichts.»
Berufung und Lebensort
Dass heute beide Brüder Teil der SSBL sind, ist kein Zufall. Vielmehr haben sie sich gegenseitig auf diesem Weg beeinflusst.
«Dank meinem Bruder wusste ich, dass ich im sozialen Bereich arbeiten möchte. Ich habe mich damals hier auf eine Lehrstelle beworben. Das ist jetzt über 16 Jahre her.»
Durch seine persönlichen Erfahrungen wurde David der Einstieg erleichtert und er blieb der SSBL bis heute treu. Einige Jahre später setzte er sich dafür ein, dass auch Leonardo neben seinem Tagesplatz einen Wohnplatz in Rathausen erhält.
Leonardo selbst fühlt sich angekommen: «Ich wollte hierhin. Hier gefällt es mir. Atelier Landwirtschaft und Atelier Logistik mag ich am liebsten.» Besonders schätzt er auch die sozialen Kontakte: «Ich kenne hier viele noch von der Schule. Einige wohnen sogar bei mir im Lindenberg.»
Verbundenheit, die bleibt
Die beiden Brüder teilen nicht nur ihre Vergangenheit, sondern auch ihren heutigen Lebensraum. Die SSBL ist für beide ein Ort der Entwicklung, der Begegnung und der Zugehörigkeit.
Was sie verbindet, ist spürbar: In ihrer Geschichte, in ihrem Alltag und in den vielen kleinen Momenten, die das Areal Rathausen immer wieder zum Lachen bringen.