Seit über einem Jahr engagiert sich Reto im Freiwilligenpool der SSBL und besucht regelmässig Hyazintha, die im Titlis 2 in Rathausen lebt. Aus diesen Besuchen ist mit der Zeit eine vertrauensvolle Beziehung entstanden, die für beide Seiten bereichernd ist und zeigt, wie wertvoll persönliche Begegnungen im Alltag sein können.
Reto ist gelernter Bahnbetriebsdisponent. In diesem Beruf sorgte man vor über 20 Jahren dafür, dass der Bahnbetrieb an den einzelnen Bahnhöfen koordiniert und möglichst reibungslos funktioniert, indem Abläufe überwacht, Züge disponiert, Störungen eingeschätzt, Billette verkauft und passende Lösungen organisiert werden. Über 30 Jahre ist Reto der Firma bereits treu, deren Name der SSBL fast zum Verwechseln ähnlich klingt: der SBB. Heute arbeitet er nicht mehr direkt am Bahnhof, sondern mehrheitlich im Büro als HR Business Partner in Bern und wohnt im Obernau mit seiner Familie.
«Der Mensch steht für mich im Zentrum und ist ein Motivationsfaktor, egal in welcher Lebensphase und Ausprägung», sagt Reto. «Anderen Zeit schenken und Freude bereiten erfüllt mich sehr».
Neben seinen Tätigkeiten in der Galli-Zunft Kriens sowie in der Liberalen Stiftung Kriens war es Reto ein Anliegen, sich zusätzlich freiwillig zu engagieren und seine Zeit dort einzubringen, wo Begegnung und Unterstützung mit Menschen mit Beeinträchtigung im Zentrum stehen. Durch eine Ausschreibung wurde der gebürtige Krienser auf die SSBL aufmerksam.
Was Reto an seinem freiwilligen Engagement besonders schätzt, ist die Abwechslung sowie die Begegnungen, die ihm der Kontakt zur SSBL und insbesondere zu Hyazintha schenkt. Die besonderen Momente in Rathausen ermöglichen ihm einen Einblick in eine Lebenswelt, die seinen beruflichen und sonstigen Alltag ergänzt und bereichert.
«Der Kontakt mit den Menschen hier erdet mich und ist ein wunderbarer Ausgleich zum sonstigen Arbeitsalltag», sagt Reto demütig. «Alle hier sind so offen, direkt, authentisch und man weiss nie so richtig, was als nächstes kommt, ich freu mich über jeden Besuch hier», das gefällt Reto besonders.
Zu Beginn war da allerdings auch eine gewisse Unsicherheit. Reto wusste nicht sofort, wie er den vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten auf dem Areal begegnen sollte und worauf es im Kontakt mit Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung besonders ankommt. Sicherheit gaben ihm einerseits die Einführung mit David, dem Leiter Freiwilligenpool, sowie ein interner Kurs der SSBL: «Meine Arbeit in Kontakt mit Menschen mit geistiger Behinderung». In diesem Kurs setzen sich die Teilnehmenden unter anderem mit dem Begriff Behinderung, der UN-Behindertenrechtskonvention, der Personzentrierten Haltung sowie der professionellen Beziehungsgestaltung auseinander. Dabei geht es nicht nur um Fachwissen, sondern auch um einen selbstsicheren, respektvollen und natürlichen Umgang sowie um Klarheit über die eigene Rolle und den Auftrag.
Besonders in Erinnerung bleiben Reto oft die kleinen Gesten, die im Alltag eine grosse Bedeutung haben können. Etwa dann, wenn Hyazintha einfach an ihn denkt, ihm eine Zeichnung macht oder ihm aus den Ferien eine Karte schickt. Solche Momente zeigen ihm, dass seine Besuche nicht nur eine willkommene Abwechslung sind, sondern eine Beziehung gewachsen ist, die von Aufmerksamkeit und gegenseitiger Wertschätzung geprägt ist.
Auch Hyazintha schätzt den Kontakt zu Reto sehr. «Ich freue mich, wenn er zu Besuch kommt. Bei ihm darf ich alles ansprechen, auch die unschönen Dinge haben Platz.» Dass Reto für sie zu einer vertrauten Bezugsperson geworden ist, zeigt sich auch in einem ganz persönlichen Ritual: Abends schliesst Hyazintha ihn in ihre Gebete ein. «Ich bete dafür, dass es ihm und seiner Familie gut geht.»
Freiwilligenarbeit in der SSBL: Zeit schenken und Teilhabe ermöglichen
Freiwilligenarbeit in der SSBL bedeutet, Zeit zu schenken und Begegnungen zu ermöglichen, die Teilhabe, Lebensqualität und gegenseitiges Verständnis fördern. Menschen wie Reto tragen dazu bei, dass Beziehungen entstehen, die den Alltag von Menschen mit Behinderung bereichern.
Solche Begegnungen zeigen, dass Inklusion nicht nur durch Angebote und Strukturen entsteht, sondern auch durch Menschen, die einander offen begegnen, zuhören und gemeinsame Zeit gestalten.
Im Jahr 2026 rückt dieses Engagement besonders in den Fokus: Die UNO hat 2026 zum Internationalen Jahr der Freiwilligen für nachhaltige Entwicklung erklärt und macht damit die Bedeutung von freiwilligem Engagement für Gemeinschaft und Solidarität sichtbar.
Auch in der SSBL sind freiwillig engagierte Menschen ein wichtiger Teil dieses Miteinanders. Sie schaffen Begegnungsräume und bringen Menschen mit und ohne Behinderung in Kontakt.
Möchten auch Sie Zeit schenken und Begegnungen ermöglichen? Die SSBL freut sich über Menschen, die sich freiwillig engagieren und Teil eines Miteinanders werden möchten, das den Alltag bereichert.
David Pacheco
Leitung Betreuungspool,
Freiwilligenpool und Gastplatz
freiwilligeneinsatz@ssbl.ch
T 041 269 37 68