Sya Oliveira besucht Klientinnen und Klienten der SSBL direkt auf ihren Wohngruppen und schafft mit Klangschalen, Stimme und achtsamer Berührung besondere Momente der Begegnung. Ihre Klangarbeit eröffnet einen Zugang über Hören, Spüren, Resonanz und stärkt Selbstbestimmung dort, wo Worte manchmal fehlen.
Manchmal braucht Begegnung keine vielen Worte. Manchmal beginnt sie mit einem Ton, einer Vibration, einem Atemzug, oder mit einer Berührung, die sagt: Ich bin da.
Sya Oliveira ist Sozialpädagogin und besucht Klientinnen und Klienten der SSBL direkt auf ihren Wohngruppen. Dort schafft sie einen Raum, in dem Menschen mit Behinderung auf ihre eigene Weise wahrnehmen, reagieren und mitbestimmen können. Im Zentrum steht nicht ein festes Programm, sondern der Moment.
«In den Sitzungen machen wir das, was gerade gefordert wird: Dann singen wir, erzeugen gemeinsam Klang, oder ich trete mit bestimmten Initialberührungen mit meinem Gegenüber in Kontakt», sagt Sya Oliveira.
Klangschalen werden über Töne und Vibrationen wahrgenommen. Sie können Entspannung fördern, den Körper spürbar machen und einen Zugang schaffen, wenn verbale Kommunikation nur eingeschränkt möglich ist. Wissenschaftlich ist die Wirkung von Klangschalen noch nicht umfassend belegt; es gibt jedoch Hinweise, dass Klangschalenmeditation oder Klangmassage Menschen helfen können, sich weniger angespannt, gestresst oder unruhig zu fühlen. Gerade bei Menschen mit komplexen Behinderungen kann Klangarbeit deshalb ein ergänzendes Angebot sein, das über Hören, Spüren und Resonanz Beziehung ermöglicht.
Sya Oliveira begegnet den Klientinnen und Klienten mit grosser Aufmerksamkeit. Jede Bewegung, jede Muskelspannung, jeder Blick kann Bedeutung haben. Sie beobachtet genau, nimmt wahr und reagiert behutsam. Dabei ist ihr wichtig, ihr Gegenüber als Ganzes zu sehen, nicht die Defizite, sondern die Person mit ihren Bedürfnissen, Möglichkeiten und Ausdrucksformen.
«In diesem Rahmen dürfen die Klientinnen und Klienten stets selbst bestimmen, was wir tun. Natürlich ist mein Angebot begrenzt, aber innerhalb dieses Rahmens sind sie die, die den Ton angeben.»
Diese Haltung passt eng zur Strategie 2030 der SSBL. Sie stellt Selbstbestimmung, Wahlfreiheit, Teilhabe und Lebensqualität von Menschen mit Behinderung ins Zentrum. Auch die Kommunikationsstrategie der SSBL betont, dass Menschen mit Behinderung als selbstbestimmte Persönlichkeiten sichtbar werden sollen: Mit ihren Fähigkeiten, Bedürfnissen und ihrer Einzigartigkeit.
Die Arbeit von Sya Oliveira knüpft auch an Grundgedanken der basalen Stimulation an. Dieses Konzept fördert Wahrnehmung und Kommunikation bei Menschen, deren Eigenaktivität, Bewegung oder verbale Ausdrucksmöglichkeiten eingeschränkt sind. Dabei können einfache Sinnesangebote helfen, Kontakt aufzunehmen und Lebensqualität erfahrbar zu machen. Klang, Vibration, Berührung und gemeinsames Singen sind solche Zugänge: Sie schaffen Verbindung auf einer Ebene, die nicht zuerst erklärt werden muss.
Sya Oliveira kennt die SSBL gut. Sie war viele Jahre als Sozialpädagogin in der Stiftung tätig. Umso mehr freut sie sich, wenn sie heute mit ihrem Klangangebot wieder «z’mitts drin» sein kann. Direkt auf den Wohngruppen, an vertrauten Orten, in einer Umgebung, die Sicherheit gibt. Die Verbindung von Musik und sozialpädagogischer Begleitung prägt ihren beruflichen Weg seit vielen Jahren: Sie besuchte das Gymnasium Hofwil mit Schwerpunkt Musik und Gesang, studierte Sozialpädagogik an der Hochschule Luzern und ist Sängerin der Band Syasuun. Zudem arbeitet sie in der Privatklinik Meiringen als Ferienvertretung der Musiktherapeutin. Mit Mehr-Klang-Sein ist sie heute als selbstständige Sozialpädagogin, Musikerin und Klangmassagen-Praktikerin unterwegs.
«Gerade für Menschen mit Beeinträchtigung ist basale Selbstbestimmung ein wichtiger Teil, um sich gesehen und als vollwertige Person zu erleben», sagt sie.
So entstehen in den Klangsitzungen Momente, in denen Teilhabe ganz leise beginnen kann: mit einem Ton, einem Lächeln, einem Innehalten. Und mit dem Vertrauen, dass jeder Mensch gehört werden kann – auch ohne Worte.