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Wohnangebot «Kompass» als Richtungsweiser

Fachwissen Im Fokus

Bei der SSBL gibt es mit «Kompass» ein neues Wohnangebot, bei dem die Infrastrukturen für jeden Klienten, jede Klientin individuell angepasst werden. Die Bewohnerinnen und Bewohner eignen sich Bewältungsstrategien in Stresssituationen an oder sie üben ihre bereits erlernten Strategien. Ebenfalls lernen sie, Wege in Begleitung zurückzulegen.

 

Im Gespräch mit Lea Hörmann, Leiterin Wohnen Rathausen und Mitglied der Geschäftsleitung

Der Name «Kompass» für das neue Wohnsetting passt perfekt, weil es richtungsweisend ist. Klientinnen und Klienten, die sich in diesem Setting wohlfühlen, bleiben. «Kompass» kann aber auch eine Zwischenstation für die Vorbereitung auf «Wohnen Vielfalt» sein, mit mehr Selbstbestimmung und Wahlfreiheiten. Ein Wechsel in die Wohnform «Struktur» ist ebenfalls möglich, wenn der Klient oder die Klientin enger begleitet werden muss und noch klarere Strukturen braucht.

Starre Wohnformen sind nicht mehr zeitgemäss Lea Hörmann geht davon aus, dass künftig mehr Plätze für Menschen mit herausforderndem Verhalten und schweren multiplen Behinderungen nachgefragt werden. Menschen mit weniger stark ausgeprägten Behinderungen sollen gemäss den Forderungen der UN-BRK wenn möglich ausserhalb von Institutionen, in eigenen Wohnungen mit Assistenz leben können. Mit den beiden Wohngemeinschaften in den Wohnhäusern auf der Allmend in Luzern haben wir einen ersten Schritt gewagt.

Die Erfahrungen dort zeigen, dass solche Wohnformen möglich sind, wenn der Wunsch bei Klientinnen und Klienten nach mehr Wahlfreiheit und Selbstbestimmung stark ausgeprägt ist und die Voraussetzungen dafür erfüllt sind. Es kommt auch vor, dass der Wunsch nach «Wohnen mit Assistenz» zwar da ist, dass das Verhalten des Klienten oder der Klientin aber mit den gesellschaftlichen Erwartungen nicht konform ist. Wohnformen sind aber nicht starr; eine hohe Durchlässigkeit ist zwingend, damit sich alle Klienten nach ihren individuellen Fähigkeiten entwickeln können.

 

«Künftig werden mehr Plätze für Menschen mit herausforderndem
Verhalten nachgefragt.»

Lea Hörmann, Leiterin Wohnen Rathausen und Mitglied der Geschäftsleitung

 

Die Umsetzung «Kompass» ist anspruchsvoll

Im Gespräch mit Katja Dienstbier, Leiterin Wohngruppe Titlis 1 und des Wohnsettings «Kompass»

Katja Dienstbier erzählt, dass der Aufbau der neuen Wohnform viel Zeit in Anspruch genommen hat und der «Spatenstich» bereits zwei Jahre zurückliegt. Die Umsetzung bleibt anspruchsvoll. Im «Kompass» wohnen mittlerweile Klienten oder Klientinnen, die vom Wohnen «Struktur» oder von der Wohnform «Vielfalt» in Wohnen «Kompass» gewechselt haben. Die Bewohner im «Kompass» werden eng begleitet, die Strukturen sind jedoch bewusst etwas offener gestaltet. Man kann «Kompass» auch als temporäre Wohnform betrachten, insbesondere dann, wenn mehr Zeit und Erfahrungswerte benötigt werden, um zu
entscheiden, welche Wohnform langfristig die richtige ist.

 

«Zu sehen, dass eine Bewohnerin oder ein Bewohner gelernt hat, neue Anforderungen zu meistern, ist für mich ein Erfolgserlebnis.»

Katja Dienstbier, Leiterin Wohngruppe Titlis 1 und des Wohnsettings «Kompass»

 

Wohlbefinden der Klienten hat den höchsten Stellenwert

Die Platzierung neuer Klienten oder der Wechsel von einer Wohngruppe in eine andere wird aufgrund verschiedener Indizien entschieden und erfolgt im Austausch mit Fachpersonen, Angehörigen und Beistandschaften. Die hohe Durchlässigkeit zwischen den Wohnformen ist deshalb so wichtig, weil sich Klienten in unterschiedliche Richtungen entwickeln können und das bisherige Wohnsetting dann nicht mehr passend ist. «Zu sehen, dass eine Bewohnerin oder ein Bewohner gelernt hat, neue Anforderungen zu meistern, ist für mich ein Erfolgserlebnis.» Der Weg in die Wohnform «Vielfalt» ist dann oft nicht mehr weit. Es kann jedoch auch vorkommen, dass ein Wechsel von der Wohnform «Struktur» zu «Kompass» Überforderung auslöst, was sich auf die Lebensqualität niederschlägt. In solchen Situationen ist es sinnvoll, dem Bewohner, der Bewohnerin wieder einen Platz in der «Struktur» anzubieten, da Wohlbefinden und Lebensqualität wichtiger sind als offenere Strukturen.

 

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